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Elementarschadenversicherung – ja oder nein?

Viele Deutsche werden sich rückblickend nur ungern an den Frühsommer 2016 erinnern. Eine  Serie heftiger Unwetter zog im Mai und Juni über das Land und hinterließ in einigen Regionen eine Schneise der Verwüstung. Wasser- und Schlammfluten strömten durch einige Dörfer in Bayern, Baden-Württemberg und den Norden von Rheinland-Pfalz. Elf Menschen verloren ihr Leben, Dutzende ihr Hab und Gut oder ihr Dach über dem Kopf. Weil manche Hausbesitzer gegen die Schäden nicht versichert waren, kamen sie durch die Unwetter in Existenznot. Unsere Region kam vergleichsweise glimpflich davon, auch, weil Rhein und Neckar nur besonders flache, ufernahe und kaum besiedelte Zonen überfluteten. Und doch hat die Schlechtwetterlage einmal mehr verdeutlicht, wie schnell derartige Wassermassen kommen und binnen kürzester Zeit verheerende Schäden anrichten können.

 

Deshalb flammte in der Politik und der Versicherungswirtschaft eine Diskussion über eine mögliche Versicherungspflicht auf, vor allem gegen Elementarschäden, die in einem solchen Falle greifen würde. Denn wie eine im September veröffentlichte Umfrage des Marktforschungsunternehmens GfK im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ergab, sind rund 11 der 17,5 Millionen Hausbesitzer in Deutschland nicht gegen Überschwemmungen durch Starkregen oder Hochwasser versichert. Immerhin sind bundesweit 37 Prozent der Wohngebäude gegen Elementarschäden versichert, doppelt so viele wie noch 2002 (19 Prozent), was eine Konsequenz des Jahrhunderthochwassers an der Elbe sein dürfte. Nach der Umfrage können knapp 60 Prozent der unmittelbar nach den Unwettern Befragten sich nicht vorstellen, dass ihre Wohngegend überschwemmt werden könnte. Der Großteil der Befragten fühlt sich bereits ausreichend abgesichert, und die Mehrheit (51 Prozent) der Umfrageteilnehmer antwortet auf die Frage, warum sie keine Elementarschadenversicherung haben, sie sei zu teuer.

 

Für eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden spricht sich der Bund der Versicherten (BdV) aus: „In Gegenden, die von Naturgewalten stark bedroht sind, wird Hauseigentümern die existenziell notwendige Elementarschadenversicherung in der Regel verweigert oder nur zu kaum bezahlbaren Beiträgen angeboten“, so BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein. „Dieser Missstand ist nur mit einer Versicherungspflicht zu beheben.“ Argument des BdV: Mit einer Versicherungspflicht müsste jeder Hauseigentümer eine Versicherung abschließen, die Versicherer könnten das nicht mehr ablehnen und die Prämien blieben für die Versicherungsnehmer bezahlbar.

 

Noch haftet der Steuerzahler

Die Verbraucherschützer haben ebenso wie die Verbraucherzentralen Zweifel an der Aussage des GDV, wonach „mehr als 99 Prozent aller Gebäude problemlos gegen Hochwasser oder Starkregen versicherbar sind“. Der GDV wiederum untermauert seine These mit der Umfrage, aus der hervorgeht, dass 96 Prozent der Befragten, die ihr Haus bereits mit einer Elementarschadenversicherung schützen, diese problemlos erhalten haben. Nicht gesagt wird dagegen, wie viele Besitzer der noch ungeschützten Immobilien auch nie einen Versicherungsschutz erhalten werden.

Der BdV argumentiert auch, dass Interessenten in Risikogebieten keinen Schutz zu bezahlbaren Beiträgen erhalten. „Die Lösung ist eine Versicherungspflicht und eine damit einhergehende Verpflichtung der Versicherer, auch bezahlbare Angebote anzubieten“, erklärt Kleinlein. Derzeit müsse laut BdV meist der Steuerzahler für die Schäden aufkommen. Axel Kleinlein stellt klar: „Diese staatliche Unterstützung für einen geschädigten Immobilienbesitzer zahlt jeder einzelne Steuerzahler, auch solche, die überhaupt keine Immobilie besitzen.“

 

Größte Hürde beim Abschluss einer Elementarschadenversicherung ist die geografische Lage der Immobilie. Denn diese entscheidet letztlich über den Preis. Berechnungsgrundlage bei jeder Versicherung ist bis auf die Hausnummer genau die so genannte Zürs-Zone (für Zonierungssystem für Überschwemmungen, Rückstau und Starkregen). Die Schätzung der Hochwassergefahr stützt sich meist auf Daten der Wasserämter. Zone 1 geht von einem Hochwasserrisiko von weniger als alle 200 Jahre aus, Zone 4 von Hochwasser mindestens alle zehn Jahre. Je höher das Risiko einer Überschwemmung bzw. je häufiger ein Hochwasser aufkommt, desto teurer oder unwahrscheinlicher ist eine Versicherung und die Selbstbeteiligung. Der Versicherer kann außerdem Auflagen festlegen, etwa im Keller Boden und Wände zu fliesen oder Hausrat auf einer Mindesthöhe zu lagern. Immerhin können diese Maßnahmen, wie auch Schutzwälle oder Barrieren dazu beitragen, auch in gefährdeten Gebieten eine Police zu bekommen.

 

Momentan machen wir uns – jahreszeitbedingt – eher Sorgen vor Schnee und Eis. Doch auf den Winter folgt der nächste Sommer, und der wird, so ist zu befürchten, wieder negative Begleiterscheinungen wie Unwetter mitbringen. Deshalb sollten sich Immobilienbesitzer frühzeitig um eine Elementarschadenversicherung kümmern. Jetzt ist noch Zeit, sich möglichst viele Angebote von Versicherern einzuholen, und diese in Ruhe zu vergleichen. Gerade weil wir durch die Nähe zu Rhein und Neckar in einem Risikogebiet leben, sollte man über einen guten Schutz für das Eigenheim, der auch bezahlbar ist, nachdenken.

Ihr Immobilienmakler Benno Harnisch