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Die Tücken der Sanierung – Energieeinsparverordnung regelt vieles

In Deutschland wird kräftig saniert. Wie die Deutsche Energie-Agentur (dena) aktuell ermittelt hat, renovieren Besitzer ihre Immobilie jedoch meist nicht komplett, sondern Schritt für Schritt in sogenannten Einzelmaßnahmen. Nach den Auswertungen der dena stand 2014 von den fünf häufigsten Sanierungsmaßnahmen der Austausch alter Heizkessel an der Spitze. Mehr als 56.000 Mal wurde diese Art der Sanierung für eine effizientere Heiztechnik gefördert. Es folgen der Austausch alter Fenster, die Wärmedämmung von Dächern und Fassaden und die Optimierung von bestehender Heizungsanlagen, beispielsweise durch einen hydraulischen Abgleich.

 

Doch weder die genannten Maßnahmen noch deren Reihenfolge geben Aufschluss über die tatsächliche Notwendigkeit an einer eigenen Immobilie. Was tatsächlich sinnvoll ist, hängt vom Zustand am betroffenen Haus ab. Deshalb empfiehlt die dena, vor jeder Sanierungsmaßnahme einen qualifizierten Energieberater zurate zu ziehen. „Der Berater untersucht die Bausubstanz und die Heizung und gibt Empfehlungen für sinnvolle Verbesserungen. Dabei prüft er auch, ob eine infrage kommende Maßnahme wirtschaftlich ist“, sagt Christian Stolte, bei der dena Experte für energieeffiziente Gebäude.

 

Zudem sind bei einer Sanierung bestimmte Anforderungen zu beachten, die in erster Linie die Heizungs- und Klimatechnik und den Wärmedämmstandard des Gebäudes betreffen. Die Vorgaben sind in der Energieeinsparverordnung (EnEV) festgehalten, die für alle Gebäude gilt, die beheizt oder klimatisiert werden. Ihre aktuelle Fassung gilt seit 1. Mai 2014. Im kommenden Jahr sollen noch einmal die energetischen Anforderungen an Neubauten erhöht werden.

 

Bei bestehenden Gebäuden sind Austausch- und Nachrüstpflichten zu beachten, die bis zu einem bestimmten Termin erfüllt werden müssen. Sie gelten für alle Mehrfamilienhäuser, unabhängig von einer Sanierung. Ein- und Zweifamilienhäuser sind davon ausgenommen, sofern der Eigentümer seit Februar 2002 selbst darin wohnt. Wurde das Haus jedoch inzwischen verkauft, muss der neue Eigentümer die Pflichten innerhalb von zwei Jahren erfüllen. Dann müssen zum Beispiel alle Öl- und Gas-Standardheizkessel, die älter als 30 Jahre sind, ausgetauscht werden. Betroffen sind Konstanttemperaturkessel üblicher Größe, jedoch keine Brennwert- oder Niedertemperaturanlagen mit hohem Wirkungsgrad. Wer unsicher ist, ob seine Anlage ausgetauscht werden muss, findet Hinweise zum Kesseltyp in der Bedienungsanleitung oder kann seinen Schornsteinfeger fragen, empfiehlt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

 

Darüber hinaus müssen Heizungs- und Warmwasserrohre in unbeheizten Räumen gedämmt werden sowie bis Ende dieses Jahres oberste Geschossdecken zu unbeheizten Dachräumen, wenn sie keinen so genannten „Mindestwärmeschutz“ aufweisen. Bei Holzbalkendecken reicht es aus, die Hohlräume mit Dämmstoff zu füllen. Ansonsten müssen alle zugänglichen obersten Geschossdecken gedämmt werden, egal, ob sie begehbar sind oder nicht. Alternativ kann das darüberliegende Dach gedämmt werden.

 

Die bedingten Anforderungen betreffen einzelne Bauteile und sind dann zu beachten, wenn das Haus ohnehin verändert oder modernisiert wird, etwa durch einen neuen Fassadenputz oder einen Austausch der Fenster. Wird das Haus nur neu gestrichen, greift die EnEV nicht. Doch die Verbraucherzentrale rät dennoch zu einer gleichzeitigen Fassadendämmung, da für die Arbeiten ohnehin ein Gerüst aufgestellt wird.

Handelt es sich um umfassende Sanierungen, die mit einem Neubau vergleichbar sind, wird eine energetische Gesamtbilanzierung durchgeführt. Der Primärenergiebedarf des sanierten Gebäudes darf dann bis zu 40 Prozent höher sein als der eines entsprechenden Neubaus. Ab 2016, wenn die Neubauanforderungen um 25 Prozent steigen, darf der Energiebedarf um 65 Prozent über dem eines Neubaus liegen.

 

Bei den oben erwähnten Einzelmaßnahmen gelten die bedingten Anforderungen. Dabei müssen an den auszutauschenden Bauteilen die Anforderungswerte an den Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) eingehalten werden, die die EnEV vorgibt. Sie lauten wie folgt:

 

 

Bauteil

Anforderung (U-Wert)

zu erreichen mit (Richtwert)

Außenwand

0,24

Dämmung mit 12 bis 16 cm

Fenster (U-Wert des gesamten Fensters maßgeblich)

1,30

Zweischeiben-Wärmeschutz-Verglasung

Dachflächenfenster

1,40

Zweischeiben-Wärmeschutz-Verglasung

Verglasungen

1,10

Zweischeiben-Wärmeschutz-Verglasung

Dachschrägen/Steildächer

0,24

Dämmung mit 14 bis 18 cm

Oberste Geschossdecken

0,24

Dämmung mit 14 bis 18 cm

Flachdächer

0,20

Dämmung mit 16 bis 20 cm

Wände und Decken gegen unbeheizten Keller, Bodenplatte

0,30

Dämmung mit 10 bis 14 cm

Decken gegen unbeheizten Keller, Bodenplatte

0,50

Dämmung mit 4 bis 5 cm

Decken, die nach unten an Außenluft grenzen

0,24

Dämmung mit 14 bis 18 cm

Ihr Immobilienmakler
Benno Harnisch